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Wer in der Schweiz einmal einen Steinkauz in freier Landschaft entdeckt oder seinen Ruf vernommen hat, kann sich glücklich schätzen. Denn von dieser kleinen, tag- und dämmerungsaktiven Eule leben heute landesweit nur noch wenige hundert Individuen in der Schweiz. Sie steht als «stark gefährdet» auf der Roten Liste der in unserem Land in ihrer Existenz bedrohten Tiere. Der Steinkauz steht daher sinnbildlich für den jahrzehntelangen Verlust unserer strukturreichen Kulturlandschaft und ganz besonders für den Verlust an alten und knorrigen hochstämmigen Obstbäumen, die häufig dem Intensivobstbau mit Niederstamm-Bäumen oder sogar für Bauvorhaben weichen mussten.
Die Pflege- und Ernte-Kosten alter Hochstamm-Obstbäume passen nicht mehr in die heutigen Kosten-/Nutzen-Anforderungen konventionell wirtschaftender Obstbau-Betriebe. Doch der ökologische Wert alter Obstbäume lässt sich nicht in Zahlen fassen. Als Charakter-Bäume stehen sie für Strukturreichtum und Naturbelassenheit. Ihre borkige Rinde, Astabbrüche, Totholz sowie vielfältige Spalten und Höhlen machen sie zu wertvollen Lebensräumen – nicht nur für den Steinkauz, sondern für eine Vielzahl von Vögeln, Insekten und auch Säugetieren.
Strukturreiches Kulturland mit Obstwiesen © SPA_CH_NF
Diese Erkenntnis gibt Anlass zu vorsichtiger Hoffnung: Dank des beharrlichen Engagements von Natur- und Steinkauzschützenden, die sich seit Jahrzehnten für den Erhalt und die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume einsetzen, regt sich mancherorts heimatliebender Widerstand gegen das gedankenlose Ausräumen der Landschaft. Diese Entwicklung zeigt, dass ein Zuwachs an Erkenntnis gepaart mit konsequenter Artenschutzarbeit positive Wirkung zeigen kann – wenn nur möglichst viele mitmachen.
Genau hier setzt unser Engagement an.
Gemeinsam mit unserem Steinkauz-Experten Mathias Hubacher vom Greifenhof in Walkringen (BE) sondieren wir in der Schweiz gezielt potenzielle Steinkauz-Lebensräume und werten diese ökologisch auf. Dabei suchen wir den Austausch mit Landwirtinnen und Landwirten sowie mit Eigentümerinnen und Eigentümern von ländlich gelegenen Obstgärten. Unsere Stiftung ist auch am Erwerb von geeigneten Obstbaum-Parzellen in der Schweiz oder in angrenzenden Regionen unserer Nachbarländer zur Förderung der kleinen sympathischen Eule interessiert.
Strukturreiche alte Obstbaum-Wiesen, die Kleinsäugern und einer Vielzahl von Insekten Lebensraum bieten, aber auch naturnahe Hecken und ungenutzte von Verfall bedrohte Landwirtschaftsgebäude sind für den Steinkauz überlebenswichtig – doch solche artgerechten Strukturen gehen bei den heutigen Generations- und Nutzungswechseln immer häufiger verloren. Diese Entwicklung ist oftmals nicht Ergebnis planvollen Handelns, sondern eher Ergebnis fehlenden Wissens über ökologische Zusammenhänge.
Steinkauz vor seiner Niströhre im Greifenhof © Greifenhof/SPA_CH
Diese Wissenslücke versucht Mathias mit viel Herzblut und Kompetenz zu schliessen: Mit unserer massgeblichen finanziellen Förderung hat Mathias im Jahr 2024 eine zukunftsweisende, behördlich bewilligte Greifvogel- und Eulen-Rettungsstation aufgebaut. Sein «Greifenhof» rettet nicht nur in Not geratene Vögel und beherbergt ein erstes Steinkauz-Zuchtpaar, sondern vermittelt Kindern und Jugendlichen auch anschaulich die Bedürfnisse unserer heimischen Wildtiere. So schafft er früh ein Verständnis für den praktischen Natur- und Artenschutz. Denn langfristiger Schutz entsteht nur dort, wo Wissen, Akzeptanz und eigenes Erleben zusammenspielen.
Interessierte Schulklasse zu Besuch im Greifenhof © Greifenhof/SPA_CH
Mathias bei einer Steinkauz-Beringungsaktion © Greifenhof/SPA_CH
Doch damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit dem Vogeldorf Alchenstorf (BE) unterstützen wir eine ganze Dorfgemeinde vor Ort dabei, ihr Dorf und das umliegende Kulturland wieder steinkauzfreundlich zu gestalten. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Die Landschaft erhält ihre Vielfalt zurück – und mit ihr kehren auch bedrohte Vogel- und Säugetierarten wieder zurück.
Selbst im dichten Novembernebel wurden 100 m Hecke von motivierten Freiwilligen gepflanzt und Obstgärten aufgewertet © Claudio Zingarello
Naturverbundener Landwirt hilft bei der Montage einer Steinkauz-Brutröhre © Claudio Zingarello
Unsere Suche nach geeigneten Steinkauz-Lebensräumen im ganzen Land, der persönliche Austausch mit Landwirtinnen, Landwirten und Landeigentümern, das Pflanzen und Pflegen von Hochstamm-Obstbäumen und Hecken, der Bau und die Montage von Steinkauz-Brutröhren sowie der Betrieb der Steinkauz Zuchtstation auf dem «Greifenhof» – all dies ist für uns mit erheblichen Kosten verbunden.
Doch es ist gut investiertes Geld. Jede ökologisch aufgewertete Fläche, jeder erhaltene alte Baum und jedes sensibilisierte Kind trägt dazu bei, dem Steinkauz und vielen weiteren bedrohten Arten eine Zukunftschance zu schenken – generationenübergreifend und weit über das Heute hinaus.
Damit wir diesen herausfordernden Einsatz auch im Jahr 2026 konsequent fortsetzen können, planen wir, über das neue Jahr gut verteilt bis zu 65’000 Franken in vielfältige Massnahmen zur Förderung der bedrohlich kleinen Steinkauz-Population in der Schweiz zu investieren. Herzlichen Dank an alle Steinkauzfreundinnen und -freunde, die uns dafür mit Ihrer Spendenunterstützung tatkräftig zur Seite stehen!
Junger Steinkauz © FotoNatur
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Information zum Bild in der Überschriftenleiste:
«Steinkauz schaut neugierig aus seinem Versteck © Greifenhof/SPA_CH»
Winterniederschläge im Süden Siziliens haben unser Feuchtgebiet in der Ebene von Gela deutlich erweitert. Und somit sind auch Tausende Enten und Limikolen eingetrudelt... mehr Informationen
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