2. Zypern-Report: Wie von uns im Stillen befürchtet, holen die «Grossen» unter den zypriotischen Vogelwilderern jetzt im Herbst nach, was sie im Frühjahr unterlassen hatten: massiven Zugvogelfang mit Netzen und Leimruten
Während der ersten vier Vogelschutzcamp-Einsatzwochen des Komitees gegen den Vogelmord und unserer Stiftung auf Zypern wurden unsere Befürchtungen für die Herbst-Vogelzugzeit leider wahr. Illegal agierende Vogelwilderer und Vogeljäger auf Zypern kompensieren den stark reduzierten Vogelfang im Frühjahr dieses Jahres jetzt während des Herbst-Vogelzugs mit umfangreichen Zugvogelfang-Aktivitäten.
Wie angekündigt, konzentrieren sich unsere Vogelschutzaktiven auch diesen Herbst auf die aktivsten und rabiatesten Vogelwilderer und deren bisher aufgefundenen 37 Vogelfangplätze. Und unsere operative Strategie zeigt Wirkung und motivierende Erfolge! So konnten an diesen aktiven Vogelfangplätzen bisher schon 20 Vogelwilderer inflagranti erwischt und ihre Vogelfangaktivitäten für Strafanzeigen bestens dokumentiert werden. Das ist für die ersten vier Vogelschutzcamp-Einsatzwochen ein Strafanzeigen-Rekordergebnis!
Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass unter den von unseren Vogelschutzaktiven erwischten Vogelwilderern mehrere waren, gegen die seit Jahren trotz wiederholter und gut dokumentierter Vogelfang-Beobachtungen keine Bussen verhängt wurden oder die wir nicht auf frischer Tat ertappen konnten.
So konnten wir den «Minenfeld-Vogelwilderer» bei seinen illegalen Machenschaften auf frischer Tat erwischen. Der Mann baute seit vielen Jahren unter Lebensgefahr, aber deshalb unbehelligt, seine verbotenen Fangnetze in einem offiziell als Minenfeld ausgeschilderten Gebiet auf. Damit ist jetzt Schluss, konnten unsere Aktiven den Wilderer mit seinen drei aufgebauten Fangnetzen und einer elektronischen Vogelstimmen-Lockanlage endlich bei seinem verbotenen Tun erwischen und anzeigen.
Besonders motivierend für unsere Vogelschützerinnen und Vogelschützer ist auch der Einsatzerfolg gegen zwei Vogelwilderer, die in der Bergregion oberhalb der Ortschaft Troulloi jahrelang Zugvogelfang mit verbotenen Fangnetzen und Leimruten betrieben. Diese beiden Vogelwilderer hatten wir schon seit Jahren auf unserer «Top Wanted List».
Diesen Herbst bauten wir deren Fangnetze und Leimruten nicht ab, sondern observierten den Fangplatz längere Zeit, bis die Wilderer mit nicht registrierten Motorrädern zur Kontrolle ihrer Fangnetze und elektronischen Vogelstimmen-Lockanlagen kamen.
Unsere Vogelschutzcamp-Aktiven überraschten die beiden Wilderer laut rufend beim Töten der in Netzen gefangenen Vögel. Erschreckt rannten die Wilderer zu ihren Motorrädern und rasten mit hoher Geschwindigkeit davon. Trotz fehlender Motorrad-Nummernschilder konnten die von uns informierten Wildhüter die Wilderer anhand der von uns gemachten Fotos identifizieren und auch schnell ausfindig machen.
Deren abendlicher Ausflug an ihren Vogelfangplatz endet mit Bussen von bis zu 7'000 Euro pro Person… und wurde damit für beide Wilderer ein Vogelfang-Ausflug, an den sie sich garantiert noch lange erinnern werden.
Ergebnisse des Zypern-Herbst-Vogelschutzcamps (03.09. – 02.10.2023)
Vogelwilderer
- 97 illegale Vogelfangplätze überwacht
- 37 aktive Vogel-Fangplätze festgestellt
- 838 illegale Leimruten abgebaut
- 19 verbotene Fangnetze abgebaut
- 16 elektronische Vogelstimmen-Lockanlage abgebaut
- 20 Vogelwilderer erwischt und Strafanzeigen erstattet
Illegale Vogeljagd
- 29 Jagdplätze mit illegalen Jagd-Aktivitäten gefunden
- 21 elektronische Vogelstimmen-Lockanlagen abgebaut
- 2 Strafanzeigen gegen illegal agierenden Vogeljäger erstattet
Festzuhalten bleibt, dass unsere Vogelschützerinnen und Vogelschützer nach wie vor und praktisch ohne Unterstützung der für Wilderei-Straftaten zuständigen staatlichen Wildhüter die gesamte Vogelschutzarbeit wie das Auskundschaften der Fangplätze, die Meldung der Fangplatz-Koordinaten, die Fotodokumentation der Vogelwilderer bei frischer Tat und die Meldung der Straftaten bei der zuständigen Polizeistation machen müssen. In der Praxis müssen wir die staatlichen Wildhüter regelrecht zum Tatort tragen!