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Bis Anfang Juni wirkt die Landschaft rund um unser GELOI-Feuchtgebiet noch belebt: Das Getreide ist reif, Erntemaschinen rollen über die Felder, Traktoren bringen die Ernte ein. Jetzt sind Mensch und Maschine längstens aus der Landwirtschaftszone von Gela verschwunden. Zurück bleiben abgeerntete Stoppelfelder und eine Vegetation, die unter der Sommersonne Südsiziliens verdorrt. Die Böden reissen auf, Wasserstellen schwinden – und in der wüstenähnlichen Ebene bleibt unser GELOI-Feuchtgebiet für viele Wildtiere eine der letzten grünen Oasen. Hier finden sie in den heissen Sommermonaten Wasser, Nahrung, Schatten und Deckung.
Genau in dieser Zeit, in der die Brandgefahr sowieso schon akut ist, werden zusätzlich Brände gelegt, um ganze Flächen zu räumen. Diese Praxis wird in Sizilien noch immer «traditionell» angewandt: Die Asche soll den Boden für die nächste Aussaat mineralisch düngen. Gleichzeitig wird dabei Plastikmüll verbrannt und anschliessend alles untergepflügt. Das ist nicht nur illegal und gefährlich, sondern auch verheerend für die belebte Natur in der Region: Das Feuer stoppt nicht vor schützender Vegetation, Nestern, Eiern, Küken, Landschildkröten, Igeln und Insekten.
Flächenbrand in der Gela-Ebene © A. Scuderi
Wenn sich die Flammen durch die Landschaft fressen, fliegen Störche, Falken und Bussarde vor der Feuerfront und nutzen aufgescheuchte Heuschrecken und Kleinsäuger als Beute. Für einen Moment wirkt es wie ein Naturschauspiel. Doch am Boden zeigt sich die grausame Wahrheit: Altvögel können fliehen – ihre Eier und Küken nicht. Haubenlerchen, Grauammern, Wachteln und die seltenen Triele und Rotflügel-Brachschwalben verlieren in Minuten ihren Nachwuchs.
Ein in den heissen Flammen umgekommener Igel © SPA_CH
Wir kämpfen dank der Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender aktiv dagegen an, damit dieses Schicksal nicht auch unser GELOI-Feuchtgebiet ereilt. Seit 2018 verwandeln wir entwässerte Landwirtschaftsflächen Quadratmeter für Quadratmeter wieder in ein lebendiges Feuchtgebiet. Wo früher Wasser abgeleitet und Böden mit synthetischen Düngern ausgelaugt wurden, bilden heute feuchte Senken, Flachwasserzonen, Feuchtwiesen, Bäume und Sträucher ein Mosaik an Lebensräumen. Dadurch ist GELOI zu einer Rettungsinsel für Zugvögel und mediterrane Arten geworden. Weissstörche finden hier Nahrung und Abkühlung; Blauracken, Rötelfalken, Bienenfresser und Rotflügel-Brachschwalben profitieren von den Lebensräumen. Auf nur einem Hektar wurden bis zu zehn singende Männchen der Grauammer registriert – in der Schweiz gilt sie als kritisch gefährdet.
Grauammer auf einem Zaun: von erhöhten Sitzwarten aus behält sie selbst in der diesigen Gela-Ebene den Überblick © C. Pitrella
Das zeigt: Wo wir Wasser in der Landschaft halten, Böden revitalisieren, keine Pestizide zulassen und Störungen verringern, kann sich das Leben behaupten. Doch genau dieses Leben ist im Sommer akut bedroht. Unser Brandschutz beginnt deshalb nicht erst, wenn es brennt, sondern schon Monate zuvor im April. Unsere Bird- und Habitat-Guards sowie die Bio-Landwirte bereiten jedes Jahr bis zu 24 km lange und mittlerweile von 6 m auf 10 m verbreiterte Brandschutzstreifen vor. Die Vegetation wird kurzgehalten oder entfernt, damit brennbare Biomasse auf ein Minimum reduziert wird.
Flächenbrände in der Ebene von Gela © SPA_CH
So verliert ein durch starke, heisse Winde ausser Kontrolle geratenes Feuer an Kraft, bevor es auf das Zugvogel-Schutzgebiet GELOI übergreifen kann. Die Flammen werden niedriger und unser Brandschutz-Team kann eingreifen, bevor das Feuer die Kernzone erreicht.
Diese Brandschutz-Arbeit ist intensiv und kostet Geld. Staub, Hitze, Rauch und die ständige Sorge, wo das nächste Feuer ausbrechen wird, bestimmen im Sommer den Alltag unseres kleinen Teams vor Ort. Damit unsere Bird- und Habitat-Guards in den trockensten und heissesten Wochen einsatzfähig bleiben, benötigen wir jedes Jahr weit über 30’000 Franken. Damit pflegen wir Brandschutzstreifen bis zum nächsten Winterregen, finanzieren Einsatzfahrten, ersetzen Equipment sowie Schutzausrüstung und stellen Verpflegung und eine einfache Unterkunft für unser tapferes Feld-Team bereit.
Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende, den Kampf gegen das Feuer in GELOI weiterzuführen und die Lebensräume für eine Vielzahl an Zugvögeln, Insekten, Reptilien und Kleinsäugetieren zu erhalten. Herzlichen Dank!
Stelzenläufer mit Küken und gut getarnten Eiern im Bodennest © A. Scuderi
Diesjährige Rotflügel-Brachschwalbe kühlt sich in wasserführender Kernzone ab © A. Scuderi
Vom neuen Besucherzentrum in GELOI profitiert auch der Blauracken-Nachwuchs © A. Scuderi
Kleine Königslibelle: für ihre Entwicklung sind sie auf Wasser angewiesen und ihr Vorkommen spricht für funktionierende Feuchtlebensräume in GELOI © A. Scuderi
Der Erhalt der Artenvielfalt in GELOI wirkt übrigens bis in die Schweiz: Viele Zugvögel, die im Frühjahr im GELOI-Feuchtgebiet rasten, stärken sich dort für ihren Weiterflug in ihre Brutgebiete in Mittel- und Nordeuropa. Im Herbst kehren zusätzlich zu den Altvögeln die diesjährigen Jungvögel aus unseren Breiten im GELOI-Feuchtgebiet zur Rast ein. Wir setzen alles daran, diesen von uns renaturierten Trittstein auf der zentralen Vogelzugroute Europas auch diesen Sommer vor Brandkatastrophen zu bewahren.
Information zum Bild in der Überschriftenleiste:
«Bird & Habitat-Guard bekämpft zusammen mit einem freiwilligen Helfer das Flammenmeer vor GELOI © A. Scuderi»
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